Widerstand: AXPO soll wieder im Interesse der Schweizer Bevölkerung handeln
Das grösste Problem der Schweizerischen Elektrizitätsversorgung ist mit Sicherheit, dass die grossen Konzerne eine andere Agenda verfolgen als die Sicherstellung einer günstigen und zuverlässigen Elektrizitäts-Versorgung der Schweiz. Die Verantwortlichkeiten sind nicht geregelt, die Kantone üben ihre Kontroll-Befugnisse seit längerem nicht mehr aus und lassen dem Treiben der Manager freie Bahn. Die durch unterlassene Aufsicht entstandenen Exzesse sind nicht im Sinne ihrer Bevölkerungen und ihrer Wirtschaft.
Dies stört die SP und – weit weniger – die SVP. Siehe unten.
Die Axpo (früher NOK) ist der grösste Strom-Konzern der Schweiz und im alleinigen Eigentum der Nordostschweizer Kantone (Zürich 18.41%, Aargau 28%, St. Gallen & beide Appenzell 12.5%, Thurgau 12.25%, Schaffhausen 7.875%, Glarus 1.747%, Zug 0.873%). Die AXPO liefert rund 40% des in der Schweiz verbrauchten Stroms. Die CKW sind eine Tochterfirma der Axpo. Seit rund 10 Jahren laufen intensive Diskussionen zur Ablösung des NOK-Gründungsvertrags von 1914, auf welchem die AXPO als Rechtsnachfolger bis heute basiert.
Da die berechtigte Sorge vor Privatisierungen bestand, hat die Schaffhauser Stimmbevölkerung einen neuen Vertrag 2024 abgelehnt. Die Eigner mussten in der Folge für eine tragfähigere Vorlage zur Ablösung des NOK-Gründungsvertrags und den Statuten des Unternehmens erneut über die Bücher. Es wird im Verlauf von 2026 mit einem neuen Vorschlag gerechnet.
Der Axpo-Konzernleiter Christoph Brand bestreitet, für die Versorgungssicherheit verantwortlich zu sein. Verantwortlich sieht er sich für den Geschäftsgang, den Gewinn. Den erzielt er mit Handel – in erster Linie mit Strom-Spekulationen. Im neuen Aktionärsbindungsvertrag steht steht klipp und klar: «Die Axpo hat keinen Auftrag zur Versorgung der Axpo-Kantone mit Elektrizität». Beinahe wären diese katastrophalen Sätze in Rechtskraft getreten. Die Schaffhauser Stimmbürger haben es zum Glück gemerkt und den Vertrag – als einzige – abgelehnt.
Von der staatlichen Kontrolle weitestgehend unbeaufsichtigt, hat die Axpo ihre Tätigkeiten weltweit ausgeweitet – nur noch ein Drittel des Umsatzes wird in der Schweiz erzielt.
Zu reden gegeben haben vor allem exzessive Löhne und Boni der Stromhändler und der Geschäftsleitung. Wenn die Schweizerische Eidgenossenschaft im Jahr 2022 keinen 4 Milliarden CHF-Rettungsschirm zur Deckung von Verlusten aus Fehl- und Derivat-Spekulationen der Axpo erbracht hätte, wäre der Konzern heute konkurs. Da die Axpo zweifelsfrei systemrelevant ist, besteht somit de facto eine Staats-Garantie. Aber von wem ? Wieso von der Eidgenossenschaft ? Wieso nicht von den Eignerkantonen ?
Wie weit sich die Axpo von ihrem Zweck entfernt hat («raison d’être»), wird aus ihrem Geschäftsbericht ersichtlich. Mittlerweile bestehen Niederlassungen in zahlreichen Ländern, meist völlig ohne Zusammenhang mit der Energieversorgung der Schweiz:
Albanien, Bosnien-Herzegowina, Luxembourg, Oesterreich, Belgien, Niederlande, Bulgarien, Deutschland, Rumänien, Frankreich, Spanien, Portugal, Tunesien, Italien, Türkei, Grossbritannien, Japan, Kosovo, Mazedonien, Norwegen, Finnland, Schweden, Singapur, Kroatien, U.S.A., Ukraine.
Alle diese Ländergesellschaften der Axpo profitieren durch die Staatsgarantie, welche durch die Schweizer Steuerzahlenden erbracht werden muss.
Interessant ist, dass vom Jahresgewinn von CHF 806 Mio nur 200 Mio als Dividende an die Aktionäre (Kantone) ausgeschüttet werden. Der Rest wird im Sinne einer Art «Hunter-Strategie» für weitere weltweite Wagnisfinanzierungen zurückbehalten. Ohne Zustimmung der Kantonsregierungen an der Aktionärsversammlung wäre das gar nicht möglich.
Seit Jahren will das selber keine Verantwortung tragende Management-Team der Axpo vollständige unternehmerische Freiheit und eine Privatisierung des Aktienkapitals, um als «globales» Unternehmen an Finanzgesellschaften aller Art verfüttert zu werden. Das Tafelsilber der Schweiz soll verscherbelt werden, um die Boni der Geschäftsleitungen und der Händler in noch astronomischere Grössen zu katapultieren.
Da die Versorgungssicherheit der Schweiz auf dem Spiel steht, wehren sich verantwortungsvolle Parteien und Gruppierungen gegen dieses verantwortungslose Vorhaben:
Medienmitteilung der SP des Kantons Zug
Medienmitteilung der SVP des Kantons Zürich
Autor: Willi Vollenweider, alt Kantonsrat ZG
P.S. siehe dazu auch unseren Aves-Bericht über den Beschluss des Ständerates vom 11. März 2026, die Versorgungs-Verantwortlichkeit nicht zu regeln. Insbesondere die Zitate von Ständerat Peter Hegglin.